Für die Odenwaldschule beginnen die Tage der Entscheidung

Die Schüler der Odenwaldschule sind schon seit gut zwei Wochen in den Sommerferien. Sie wissen aber nicht, ob sie zum neuen Schuljahr an die Einrichtung im südhessischen Heppenheim zurückkehren können. Denn nach dem Insolvenzantrag steht die Zukunft der Schule in den Sternen.

In den nächsten Tagen sollen die Weichen gestellt werden. Es könnte nach Missbrauchsskandal, Streit und Geldnot weitergehen – mit neuen Verantwortlichen, neuem Namen und neuer Struktur.

Die vorläufige Insolvenzverwalterin Sylvia Rhein will bis zum Freitag (31.7.) wichtige Punkte klären. Auch die Aufsichtsbehörden haben den Termin notiert – ebenso wie den 1. August, an dem das Insolvenzverfahren eröffnet werden soll.

Kürzlich hatte auch ein Internatsbetreiber aus Norddeutschland Interesse an der Odenwaldschule angemeldet. Nun scheint aber doch eine Gruppe von Eltern die Nase vorn zu haben, um weiterzumachen – mit einer Schule, deren Struktur vor allem schlanker und insgesamt durchsichtiger sein soll.

Wie schwierig sich der angedachte Neuanfang allerdings gestaltet, unterstrichen Äußerungen der Internatsleiterin und des Geschäftsführers der Odenwaldschule. In einem Brief an Schüler, Eltern und Mitarbeiter, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, schrieben Sonya Mayoufi und Marcus Halfen-Kieper, das Miteinander sei von mangelnder Offenheit, unterschiedlichen Eigeninteressen und Diffamierungen geprägt. Für eine «neue» Schule seien Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen aber besonders wichtig.

«Dieses Vertrauen spüren wir beide gleichermaßen nicht» heißt es in dem Schreiben. Es falle ihnen schwer, mit Begeisterung an eine «neue» Schule heranzugehen. «Zu diesem Zeitpunkt» stünden sie dafür nicht zur Verfügung. Beide hatten Anfang Februar ihre Arbeit aufgenommen. Die Vorsitzende des Trägervereins, Christiane Streitz, bestätigte, den Brief persönlich von der Geschäftsführung erhalten zu haben.

Die vorläufige Insolvenzverwalterin Rhein wertete das wirtschaftliche Konzept der Eltern «grundsätzlich als tragfähig». Ein Gelingen «hängt nun wesentlich davon ab, wie viele Schülerinnen, Schüler und Eltern der neuen Schule ihr Vertrauen schenken». Anfänglich seien «mindestens 80 Anmeldungen erforderlich».

Die Zahl war auch schon von der Schule genannt worden. Von den zuletzt noch 150 Schülern müssen – die Abiturienten abgezogen – 115 weiterhin irgendeine Schulbank drücken. Wie viele aufgrund der Unwägbarkeiten die Odenwaldschule verlassen, bleibt abzuwarten. Vielleicht könnten, so eine Vermutung, im neuen Schuljahr nur noch etwa 80 übrig sein.

Die Zahlen waren mal viel besser – obwohl die Schule auch früher schon öfter Geldprobleme hatte und Betuchte mit Finanzspritzen helfen mussten. Aber vor fünf Jahren, als der Skandal um den lange zurückliegenden Missbrauch an mindestens 132 Schülern hochkochte, waren es noch mehr als 200 Schüler gewesen – etwa zwei Drittel von ihnen im Internat, das Geld bringt, und ein Drittel in der Schule. Die Odenwaldschule kam seitdem nicht mehr zur Ruhe, die Zahl der Schüler nahm in der Folge deutlich ab.

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