Axt-Attacke: Staatsanwalt: “Es gab keine Signale einer Radikalisierung”

+++ 16.44 Uhr: “Es gab keine Signale einer Radikalisierung” +++

Nun beginnen die anwesenden Journalisten, ihre Fragen zu stellen.

“Es soll ein Bekennervideo geben. Stimmt das?” fragt ein Journalist. “Es gibt ein Video. Wir prüfen gerade, ob es wirklich den Täter zeigt”, so Oberstaatsanwalt Ohlenschlager. Auf die Frage nach der Radikalisierung des Täters antwortet er: “Wir haben keine Erkenntnisse, dass das Jugendamt und andere Betreuer hätten gegensteuern können, weil es keine Signale einer Radikalisierung gab.” Es sei ganz schwer zu ermitteln, wie lange die Radikalisierung gedauert habe, auch, weil der Täter keine Antworten mehr geben könne, so Ohlenschlager.

+++ 16.32 Uhr: Abschiedsbrief gefunden +++

Nun spricht Lothar Köhler, ein Vertreter des Staatsschutzes beim Bayerischen Landeskriminalamt. Wegen des “Allahu Akbar”-Rufes des Täters sei der Staatsschutz bei den Ermittlungen hinzugezogen worden. Der Afghane sei seit Sommer 2015 in Deutschland, habe einen Asylantrag gestellt und sich legal in Deutschland ausgehalten, so Köhler. Polizeilich sei er ein unbeschriebenes Blatt gewesen. Er habe seit kurzem in einer Pflegefamilie gelebt. Als gläubiger Sunnit sei er nur unregelmäßig in die Moschee gegangen, aber regelmäßig gebetet.

Bei der Durchsuchung seines Zimmers sei ein Block gefunden worden, es sei aber noch nicht hundertprozentig sicher, ob es seiner gewesen sei. In dem Block sei das IS-Symbol handgemalt gewesen, sowie mehrere Texte in arabischer und lateinischer Schrift. Einer der Texte sei übersetzt worden und wohl ein Abschiedsbrief an den Vater des Täters, so Köhler.

“Und jetzt bete für mich, dass ich mich an diesen Ungläubigen rächen kann und bete für mich, dass ich in den Himmel komme”, lautet laut Köhler eine Passage des mutmaßlichen Abschiedsbriefes.

Der Tod eines Freundes in Afghanistan könnte der Auslöser für die Tat gewesen sein. Der Täter habe nach der Todesnachricht viel telefoniert. Allerdings sei das Handy erst spät am Mainufer gefunden worden und müsse erst noch ausgewertet werden.

+++ 16.24 Uhr: “Tödliche Schüsse waren Notwehr” +++

Der Täter hatte auf der Flucht nach der Tat eine Spaziergängerin mit Hund angegriffen und schwer verletzt. Zwei Polizeibeamten hätten den Täter in einem Gebüsch am Main gestellt, dann sei der Täter mit erhobener Axt auf die Beamten zugegangen, so der Würzburger Oberstaatsanwalt Bardo backert. Bei einem Abstand von “drei bis vier Armlängen” hätten die Beamten etwa vier Schüsse abgegeben. Einer der Schüsse habe den Täter in die Stirn getroffen und sei wohl tödlich gewesen. Aus seiner Sicht handelt es sich eindeutig um eine Notwehrsituation. Backert lobt den Einsatz der Polizisten. “Ich verstehe überhaupt nicht, wenn von Politikern aus dem Sessel heraus eine Beurteilung abgegeben wird, während wir die ganze Nacht durch ermitteln, um zu einer Beurteilung zu kommen.”

+++ 16.18 Uhr: Staatsanwalt: “Tat politisch motiviert” +++

Die Sicherheitsbehörden geben gerade eine Pressekonferenz zum Attentat von Würzburg. Laut Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager war die Tat des 17-jährigen Afghanen wohl politisch motiviert. Auch sei auf dem um 21.13 Uhr eingegangen, telefonischen Notruf aus dem Zug ein “Allahu Akbar”-Ruf zu hören gewesen. Der Täter habe einen Abschiedsbrief hinterlassen und habe seinen eigenen Tod als in Kauf genommen.

+++ 15.48 Uhr: IS veröffentlicht Droh-Video des Angreifers von Würzburg +++

Das IS-Sprachrohr Amak hat im Internet ein Video verbreitet, das den Angreifer aus dem Regionalzug bei Würzburg vor dem Attentat zeigen soll. “Ich bin ein Soldat des Islamischen Staates und beginne eine heilige Operation”, sagte der Mann in dem Video, das am Dienstag von Amak veröffentlicht wurde.

+++ 15.29 Uhr: Kubicki fordert mehr Einsatz gegen IS-Propaganda +++

Nach dem Axt-Angriff bei Würzburg hat der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki mehr Anstrengungen gefordert, um minderjährige Flüchtlinge vor den Botschaften der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu schützen. Die jungen Menschen müssten möglichst viele Perspektiven für ihr eigenes Leben bekommen “und damit bestenfalls immun gegen eine religiös motivierte Radikalisierung werden”, sagte Kubicki am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

“Wenn Jugendliche keine sinnvolle Aufgabe haben, wird ihre Bereitschaft sinken, sich selbst in unsere Gesellschaft konstruktiv einbringen zu können”, fügte Kubicki hinzu. “Wir müssen also alles dafür tun, dass die IS-Botschaften nicht auf fruchtbaren Boden fallen können.”

+++ 14.03 Uhr: Bayerns Innenminister sieht keine Verbindung zum IS +++

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht bisher keine Hinweise für eine Verbindung mit der Terrormiliz IS. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte die Tat mit fünf Verletzten laut IS-nahen Medien für sich beansprucht. Die Ermittler hätten am Wohn- und Tatort jedoch “keinerlei Indizien” für eine Vernetzung des 17 Jahre alten Angreifers mit islamistischen Organisationen gefunden, sagte Herrmann in München.

+++ 13.59 Uhr: IS-Radio berichtet über Axt-Angriff +++

Nach der IS-nahen Nachrichtenagentur Amak hat auch das IS-Radio Al-Bajan berichtete, “ein Soldat des Islamischen Staates” habe Menschen in einem Zug in Deutschland angegriffen. Deutschland sei einer der Staaten, die an der “Kreuzfahrerkoalition” gegen den Islamischen Staaten (IS) beteiligt sei.

+++ 12.27 Uhr: Axt-Angreifer absolvierte Praktikum in Bäckerei +++

Der Axt-Angreifer von Würzburg machte nach Angaben des bayerischen Sozialministeriums ein Praktikum mit der Aussicht auf eine Lehrstelle. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur arbeitete der Jugendliche als Praktikant in einer Bäckerei. Der 17-jährige afghanische Flüchtling sei im Rahmen der Jugendhilfe intensiv betreut worden, sagt Sozialministerin Emilia Müller (CSU) nach Angaben einer Sprecherin.

“Wir müssen jetzt sehr genau analysieren, wie es trotz dieser guten Voraussetzungen dennoch zu dieser Gewalttat kommen konnte”, sagt Müller.

+++ 12.10 Uhr: Hermann: “Täter ging mit Axt auf Polizisten los”

Bayerns Innenminister Hermann (CSU) berichtet bei einer Pressekonferenz, dass der Täter bei seiner Verfolgung mit der Axt auf die Polizisten losgegangen sei und daraufhin erschossen wurde.

Neben einer selbstgemalten IS-Flagge weise auch eine Notiz, die man im Zimmer des Täters gefunden habe, auf eine islamistische Radiklaiserung hin, so Herrmann. Seine Bekannten würden den Täter als einen ruhigen Menschen beschreiben. Er sei zwar ein gläubiger Muslim gewesen, aber keineswegs als Radikaler bekannt.

+++ 11.50 Uhr: Gewerkschaft verteidigt tödliche Schüsse auf Zug-Angreifer +++

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verteidigt die letztlich tödlichen Schüsse von Beamten auf den Zug-Angreifer von Würzburg. Wenn ein Täter – so wie es in der Nacht offenbar der Fall gewesen sei – mit Axt und Messer bewaffnet Polizisten angreife, dann bleibe nur der Schusswaffengebrauch, sagt der bayerische GdP-Vorsitzende Peter Schall in München. Zudem sei die Erstinformation noch gewesen, dass der 17-Jährige zuvor 15 Menschen in dem Zug teils lebensgefährlich verletzt habe. “Wenn ein Beamter in der Situation nicht schießen darf, dann kann er die Waffe gleich abgeben”, sagt Schall.

Video

+++ 10.50 Uhr: IS beansprucht Angriff bei Würzburg für sich +++

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beansprucht den Angriff auf Zuginsassen in Bayern für sich. Der Angriff sei von einem ihrer “Kämpfer” ausgeführt worden, verkündet der IS über seine Agentur Amaq.

“Der mit Hieb- und Stichwaffen angreifende Täter in Deutschland ist einer der Kämpfer des Islamischen Staates”, vermeldet Amaq. “Er hat diese Operation als Antwort auf unsere Aufrufe ausgeführt, die Länder der Koalition anzugreifen, die den IS in Syrien und im Irak bekämpft”. Zu der von den USA angeführten Militärkoalition gehören unter anderem Frankreich, Großbritannien und Italien. Deutschland unterstützt die Allianz mit einer Fregatte und Aufklärungsflügen.

Einen ausführlichen Bericht zu dem Axt-Angriff finden Sie hier.

Teaser

+++ 10.17 Uhr: Nach Zug-Attacke ermittelt LKA auch intern +++

Nach der Erschießung des Angreifers auf einen Regionalzug bei Würzburg hat das bayerische Landeskriminalamt (LKA) auch interne Ermittlungen aufgenommen. Dies sei ein üblicher Vorgang beim Schusswaffengebrauch von Beamten, sagt ein Sprecher in München. Die Ermittlungen sollen nun klären, wie der Einsatz ablief und ob die Abgabe der tödlichen Schüsse gerechtfertigt war.

+++ 10 Uhr: Würzburgs Oberbürgermeister “entsetzt über schreckliche Gewalttat” +++

Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) zeigt sich erschüttert über die Axt-Attacke in einem Regionalzug gezeigt. “Ich bin entsetzt über diese schreckliche Gewalttat”, sagt er nach Angaben der Stadt. Er fühle mit den Opfern und Mitreisenden, “die bei dieser Wahnsinnstat an Leib und Seele schwere Verletzungen erlitten haben”. “Über die Hintergründe der Tat sollte nicht spekuliert werden, bis wir gesicherte Tatsachen haben”, sagt Schuchardt. Er dankt den Einsatzkräften und Helfern und zeigt sich erleichtert, dass so schnell reagiert werden konnte.

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