Mordfall Susanna: Ali B. gesteht Mord und soll nach Deutschland kommen – Forscherin: “Kein Einzelfall mehr”

Der Verdächtige im Mordfall Susanna hat die Tat nach Angaben der Polizei in der autonomen Kurdenregion im Nordirak gestanden. “Als wir ihn verhörten, hat der junge Mann aus Kurdistan gestanden, die junge Deutsche getötet zu haben”, sagte der Polizeichef der nordwestirakischen Stadt Dohuk, Tarik Ahmad, der Nachrichtenagentur AFP.

Ali B. habe ausgesagt, dass er mit Susanna befreundet war und in Streit geraten sei. “Er sagte, er habe das junge Mädchen getötet, als es gedroht habe, die Polizei zu rufen”, sagte Ahmad. Bei einer späteren Pressekonferenz sagte der Polizeichef, der 20-Jährige habe zudem erklärt, das Mädchen erwürgt zu haben.

Ein ranghoher kurdischer Verantwortlicher sagte AFP, alle Vorkehrungen seien getroffen worden, damit der Verdächtige “so schnell wie möglich” nach Deutschland zurückgebracht werden könne. Ein Auslieferungsabkommen zwischen dem Irak und der Bundesrepublik besteht nicht (lesen Sie hier im stern, warum Ali B. dennoch nach Deutschland kommen kann).

Trauermarsch in Wiesbaden

Mehrere deutsche Medien berichten, dass Ali B. schon am Abend in Frankfurt landen soll. Auf Anfrage des stern konnte ein Sprecher der Bundespolizei die Meldung “weder bestätigen noch dementieren”. Später hieß es aus Kreisen des Flughafens in Erbil, dass B. die nordirakische Stadt am Nachmittag in einer Maschine nach Frankfurt am Main verlassen habe. Eine offizielle Bestätigung der kurdischen Sicherheitsbehörden im Nordirak gab es zunächst nicht. Nach Angaben der Internetseite des Flughafens sollte die gegen 20.30 Uhr in Frankfurt eintreffen. 

Der Tatverdächtige hatte sich nach der Tat in den Nordirak abgesetzt und war dort in der Nacht zum Freitag von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen worden.

Unterdessen wollten in Susannas Heimatstadt Mainz mehrere Bündnisse und Initiativen gegen Einwanderung oder gegen Rassismus demonstrieren. Die Bürgerrechtsbewegung “Solidarität” meldete für Samstag eine Demo in der Innenstadt an. Unter dem Motto “Stop the Violence – gegen sexualisierte Gewalt und Unterdrückung” plant eine Initiative am Hauptbahnhof eine Kundgebung und einen Zug zum Petersplatz nahe dem Schloss.

Die “Gutmenschliche Aktion Mainz” lädt dort zu einer Trauerkundgebung ein, um sich gegen Rassismus zu wenden. Die AfD-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz will ganz in der Nähe unter dem Motto “Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen!” vor der Staatskanzlei demonstrieren. 

Akte Ali Bashar_17.10UhrBereits am Freitagabend versammelten sich Menschen in der Nähe des Fundorts der Leiche zu einem Trauermarsch in Gedenken an Susanna. Zur Teilnehmerzahl machte die Polizei keine Angaben. Der Körper des Mädchens aus Mainz war am Mittwoch bei Wiesbaden gefunden worden.

Der Fall löste auch eine heftige politische Debatte aus. Nach Auffassung der Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, Susanne Schröter, sollte sich die deutsche Gesellschaft Konzepte für den Umgang mit patriarchalisch geprägten und aggressiven Männern überlegen. “Das ist jetzt kein Einzelfall mehr”, sagte die Ethnologin der Nachrichtenagentur DPA zum Fall Susanna. 

Fall Susanna: “Kein Einzelfall mehr”

Im Islam wie auch in anderen Religionen gebe es patriarchalisch geprägte Normen, die Gewalt und sexuelle Übergriffe legitimierten, sagte die Forscherin. Im Fall Susanna könne dies der Hintergrund sein: “Dieser junge Mann hatte ganz offensichtlich überhaupt keinen Respekt.” Weder vor der deutschen Gesellschaft, noch vor Frauen oder Polizisten, sagte die Forscherin. Es gebe aber in Deutschland auch sehr, sehr viele muslimisch geprägte junge Männer, die Frauen und Werte achteten und selbst gegen patriarchalische Strukturen ankämpften.

Der Fall Susanna wecke Ängste in Teilen der Bevölkerung, die auch durch Fehleinschätzungen entstünden, sagte der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner der DPA. “Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir Wahrnehmungsfehlern unterliegen und zur Überschätzung der tatsächlichen Zustände neigen, wenn es um den Zusammenhang von Kriminalität und bestimmten Gruppen geht.” Man könne den Sorgen aber begegnen, sagte der Psychologe. Etwa indem man sich bewusst mache, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst oder das eigene Kind Opfer einer solchen Tat werde, gering sei.

Susanna Chronik

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